Fotowettbewerb: Grünes Band mit rot-weißen Streifen

Bis 1989 trennte der Eiserne Vorhang Deutschland und die Tschechoslowakei so voneinander, dass die Oberpfalz reimte „Dou wou / d’Welt goa woa“ (Da, wo die Welt zu Ende war). Heute hält ein grünes Band Bayern und Böhmen zusammen. Es ist das Mittelgebirge des Bayerischen und Böhmerwaldes. Vielleicht ist das der Grund, weshalb beim Fotowettbewerb „Natur- und Kulturerbe Grünes Band Bayern-Tschechien“ so viele Natur- und Landschaftsaufnahmen eingereicht wurden. Das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee hatte Profis und Amateure dazu aufgerufen, fotografisch herauszuarbeiten, was Bayern und Böhmen verbindet. Am Donnerstag war Ausstellungseröffnung.

Als beratende Fotokuratorin war ich an der Vorauswahl der insgesamt 169 eingereichten Arbeiten beteiligt. Vetreter aus Fotografie, Kulturbetrieb und Naturschutz trafen sich Ende Mai per Video-Konferenz, diskutierten Auswahlkriterien und vergaben schließlich Punkte für gelungenere und weniger gelungene Fotoarbeiten.

Zu meinen Favoriten gehört eine Fotografie von Christa Rabl-Dachs. Sie zeigt ein Werk von Ivan Kafka im Kunstpark Eschlkam an der deutsch-tschechischen Grenze. Es gibt von dieser Installation unendlich viele Fotografien, doch halte ich diese für besonders geglückt. Ivan Kafkas Werk ist beweglich. Je nach Luftzug blasen sich die Windsäcke auf oder hängen schlaff herunter. Wo kein Wind drin ist, ist keine Energie drin, da passiert auch nichts, so die Botschaft des tschechischen Künstlers. Schließlich macht ein voll aufgeblasener Windsack doch mehr her als einer, der sich um den Pfeiler wickelt oder in Falten daran haften bleibt.

Was sich im Werk des Künstlers bewegt, hält die Fotografin im Bruchteil einer Sekunde fest. In genau dem Moment, in dem sie den Auslöser ihrer Kamera bedient, sind die rot und weiß gestreiften Windsäcke in der oberen Reihe prall gefüllt, während sich die in der unteren Reihe nur mühevoll aufrichten. Wer genau hinschaut, sieht oder weiß, dass eine Mastenreihe einer geraden Linie folgt, während die andere als Schlangenlinie organisiert ist. Der Wind weht aus dem Westen in die Windsäcke hinein. Die schnurgerade Linie liegt im Westen, die kurvenreiche im Osten. Der Blick fällt nach Osten.

Wofür auch immer die Reihen oder einzelnen Masten mit Windsäcken stehen, für Menschen, Länder, Regionen, Engagement oder Positionen, was auch immer der tschechische Künstler und deutsche Fotografin mit ihren Werke aussagen wollen, sowohl die Installaton als auch die Fotografie sind eigene Werke. Schön.

Die Sommerausstellung des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) präsentiert vom 26. Juni bis 03. September 2020 die Ergebnisse des Fotowettbewerbs „Natur- und Kulturerbe Grünes Band Bayern-Tschechien.“

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